Herzlichen Glückwunsch?

 

Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!

 

 

"Ja, jetzt kann ich mir ja richtig viel Zeit nehmen, die Schwangerschaft zu genießen. Schließlich steht in fast jeden Ratgeber etwas darüber, dass eine Schwangerschaft toll sei und man sich auf das Kind im Bauch ja auch dementsprechen freuen sollte.

 

 

Ich frage mich nur, wie ich meinem Umfeld noch länger vorgaukeln soll, dass ich mich freue. Ich muss ja auch dankbar sein. Es könnte ja alles viel schlimmer sein. Aber irgendwie ist mir so gar nicht danach.

 

 

Am liebsten würde ich...ja, am liebsten würde ich heulen. Mir gehts nämlich gar nicht gut. Mir ist permanent übel, schwindelig, ich nehme trotzdem zu. Ich fühle mich verlassen, unverstanden. Tja, da soll ich drüber stehen. Die spätere Zeit mit dem Kind sei es wert, neun Monate Schwangerschaft zu überstehen.

 

Aber was soll ich denn mit dieser Aussicht – ich kenne das Wesen in meinem Bauch doch überhaupt nicht. Und wer sagt, dass ich es mag? Wer sagt, dass es mich mag? Dass wir miteinander klar kommen? "

 

 

 

Müde und gedankenverloren rührt sie in ihrem Tee, der mittlerweile schon kalt ist. Ihr Gesicht fühlt sich schon ganz taub an von dem vielen falschen Lächeln auf die Frage, wie es ihr gehe. Ihre Standardantwort ist "Alles klar, mir gehts gut." Keiner soll merken, dass sie dem großen Thema Schwangerschaft überhaupt nicht gewachsen ist. Wo doch alle anderen Frauen scheinbar darüber stehen können. Sie kann es nicht. Das Klappern des Löffels in der Tasse lenkt ihr Bewusstsein wieder auf den kalten Tee. Diese kurze Zeit am Tag, in der sie wirklich SIE sein kann. An dem sie traurig sein darf, die Mundwinkel hängen lassen darf, sich ihrem inneren Elend hingeben kann.

 

Sie nimmt den Löffel aus der Tasse und legt ihn daneben auf den Tisch. In der Tasse dreht sich der Teestrudel noch immer in der Rhythmik des Umrührens. "Wie in meinem Kopf," denkt sie sich. Sie nimmt den Löffel wieder in die Hand und bevor der Tee in der Tasse sich beruhigt hat, rührt sie weiter um.

 

 

 

 

 

Die Geschichte der fiktiven "Sie" ist ein Denkanstoß:

 

Den Kreislauf der Gedanken zu unterbrechen und Stellung zu seinen eigenen Gefühlen zu beziehen, ist nämlich gar nicht mal so einfach. Abstand zu nehmen von der Angst, was die anderen sagen könnten, wenn man nicht so funktioniert, wie erwartet.

 

 

 

Frauen in der Schwangerschaft und gerade auch nach der Entbindung machen eine innere Achterbahnfahrt der Gefühle durch. Das ist normal und völlig legitim.

 

Es ist auch völlig legitim, sich dabei kompetente Hilfe zu suchen, das durchzustehen. Fange an, an dich zu glauben, denn du bist wunderbar <3